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Neubau vom Plan oder Bestandsimmobilie: Was passt für Käufer aus dem Ausland?

HomeNSearch Editorial|| 10 Min. Lesezeit
Neubau vom Plan oder Bestandsimmobilie: Was passt für Käufer aus dem Ausland?

Früher oder später steht jeder Käufer aus dem Ausland vor dieser Weggabelung. Ein Makler zeigt eine fertige Wohnung, in der bereits ein Mieter wohnt und pünktlich zahlt. Der nächste legt eine Broschüre für einen Turm auf den Tisch, den es erst in drei Jahren geben wird – zu einem Preis, der verdächtig freundlich wirkt. Neubau vom Plan oder Bestand ist die erste wirklich strategische Entscheidung beim Kauf im Ausland, und sie prägt alles Weitere: wie gezahlt wird, welches Risiko besteht und wann das Geld zurückfließt.

Keine der beiden Varianten ist per se die klügere. Der Neubau vom Plan passt zu manchen Zielen und bestraft andere. Bei der Bestandsimmobilie ist es nicht anders. Es folgt ein ehrlicher Blick auf beide Wege, danach ein kurzes Raster, mit dem sich die Wahl am tatsächlichen Ziel ausrichten lässt.

Was hinter den beiden Begriffen steckt

Eine Off-Plan-Immobilie kauft man, bevor sie in fertiger Form existiert. Manchmal läuft der Bau bereits, manchmal ist das Grundstück nur ein eingezäuntes Stück Erde, und die Wohnung lebt lediglich in Zeichnungen und einer Musterwohnung. Man unterschreibt einen Kaufvertrag mit dem Entwickler, zahlt in Raten und erhält die Schlüssel, wenn das Gebäude fertig ist – meist ein bis vier Jahre später.

Eine Bestandsimmobilie existiert bereits und hat bereits einen Eigentümer. Das kann eine zwei Jahre alte, kaum bewohnte Wohnung sein oder eine Villa aus den 1980ern in dritter Familienhand. Man besichtigt das reale Objekt, kauft von einer Privatperson und hält die Schlüssel Wochen statt Jahre nach der Unterschrift in der Hand.

Dieser zeitliche Unterschied steuert fast alles Übrige.

Was für den Neubau vom Plan spricht

Der Preis ist das Hauptargument. Entwickler bringen Projekte unter dem Niveau vergleichbarer fertiger Bestände auf den Markt, weil frühe Verkäufe Nachfrage belegen und den Bau finanzieren. Eine einheitliche Rabattzahl gibt es nicht, und wer eine nennt, verkauft gerade etwas – aber das Muster stimmt über Märkte hinweg: Je früher die Phase, desto günstiger der Quadratmeterpreis.

Dann die Zahlungsweise. Statt der vollen Summe bei Unterschrift verteilen Off-Plan-Verträge die Zahlungen über die Bauzeit. In Dubai finden sich Pläne wie 60/40 oder 80/20, bei denen der Großteil des Preises in Raten während des Baus fließt und der Rest bei oder nach der Übergabe fällig wird. Einige Entwickler in der Türkei und auf Zypern strecken Raten sogar über die Fertigstellung hinaus. Für Käufer, die keine große Summe auf einmal überweisen können oder wollen, übernimmt dieser Zahlungsplan – ganz ohne Bank – genau die Funktion einer Finanzierung.

Die Immobilie selbst ist neu. Aktuelle Dämmstandards, moderne Elektrik, ein Grundriss aus diesem Jahrzehnt. In umkämpften Mietmärkten bedeutet das auch die Ausstattung, die Mieter heute erwarten: Fitnessraum, Pool, Co-Working-Ecke, Ladepunkt fürs E-Auto. Ein zwanzig Jahre alter Turm kommt da nicht mit, und bei der Übergabe gibt es eine Mängelfrist, in der Fehler auf Kosten des Entwicklers behoben werden.

Und steigt der Markt, während das Gebäude noch entsteht, landet der Gewinn auf einem Vermögenswert, der erst teilweise bezahlt ist. Käufer in schnell wachsenden Stadtteilen haben Wohnungen übernommen, die bei Übergabe spürbar mehr wert waren als der Vertragspreis. Genau diese Wertsteigerungsgeschichte erzählt jeder Off-Plan-Verkäufer – und in guten Jahren stimmt sie.

Wo der Neubau vom Plan schiefgeht

In schlechten Jahren stimmt sie nicht. Das Risiko wirkt auch umgekehrt: Fallen die Preise während der Bauzeit, hat man das Geld von morgen zur Bewertung von gestern gebunden, und ein Ausstieg ist schwer, weil das Objekt schlicht noch nicht existiert.

Verzögerungen sind das Alltagsrisiko. Ein bis zwei Quartale Verschiebung sind so üblich, dass erfahrene Käufer sie einkalkulieren; längere Verzögerungen deuten meist auf wackelige Finanzierung beim Entwickler hin. Die schwere Variante ist ein gestopptes oder gestrichenes Projekt – genau dafür wurden Treuhandregeln erfunden. Mehr dazu weiter unten.

Dazu kommt die Lücke zwischen Rendering und Realität. Werbebilder zeigen Abendlicht, ausgewachsene Palmen und Möbel, die niemandem gehören. Am Übergabetag steht dort mitunter nur ein karges Betonquartier, und die versprochene Grünanlage folgt angeblich in Phase drei. Die eigene Einheit mag makellos sein, während der Boulevard mit Cafés aus dem Prospekt jahrelang ein Parkplatz bleibt. Kaufen Sie die Lage, wie sie realistisch werden wird – nicht, wie sie gemalt wurde.

Auch die Mieteinnahmen setzen später ein. Jeder Monat zwischen Vertrag und Übergabe ist ein Monat, in dem das Kapital nichts erwirtschaftet.

Was für die Bestandsimmobilie spricht

Ein Kauf im Bestand beseitigt diese Rendering-Lücke sofort. Man steht im echten Zimmer, prüft die echte Aussicht, hört den echten Verkehrslärm. Das Viertel ist fertig und einschätzbar: um 8 Uhr morgens hinfahren, dann noch einmal um 23 Uhr, mit einem Nachbarn sprechen, sehen, wie das Gebäude gealtert ist und ob die Verwaltung ans Telefon geht.

Einnahmen fließen sofort. Eine Wohnung mit vorhandenem Mieter kaufen, und die Miete kommt schon im ersten Monat des Eigentums – bei einer Rendite, die sich aus echter Mietgeschichte berechnen lässt statt aus der Prognose eines Entwicklers. Für Käufer, denen es um Cashflow geht, entscheidet allein das oft die Frage.

Auch der Preis verhält sich anders. Verkäufer im Bestand sind Privatpersonen, und Privatpersonen verhandeln. Umzug, Erbschaft, Scheidung: Man hat es mit menschlichen Umständen zu tun statt mit einer festen Preisliste, und genau dort tauchen die echten Schnäppchen auf.

Was die Bestandsimmobilie kostet

Der Bestand ist älter. Manchmal reizvoll, manchmal teuer. Elektrik, Sanitär und Abdichtung altern unsichtbar, und die Renovierungsüberraschung ist die klassische Falle beim Wiederverkauf. Vor der Zusage eine ordentliche technische Prüfung bezahlen und die Hausgeldhistorie der Eigentümergemeinschaft verlangen; eine schlecht geführte Immobilie zeigt sich in diesen Unterlagen Jahre bevor sie an der Fassade sichtbar wird.

Die Zahlung ist gedrängt. Ohne Finanzierung – die Ausländer in vielen Ländern zwar bekommen können, aber selten schnell – muss man im Wesentlichen den gesamten Preis binnen Wochen überweisen. Ein Ratenplan zum Anlehnen fehlt.

Ein etabliertes Viertel wirkt in beide Richtungen. Man weiß genau, was man kauft, aber das weiß der Markt auch. Der steile Wertzuwachs während der Bauphase, dem Off-Plan-Käufer nachjagen, liegt in einem gereiften Viertel meist schon hinter einem – hier kauft man eher Stabilität als Aufwärtspotenzial.

Die Transaktionssteuern übrigens interessiert der gewählte Weg kaum. Dubai wendet seine Transfergebühr von 4 % auf Off-Plan- und Bestandsgeschäfte gleichermaßen an, und die meisten Länder behandeln beide ähnlich. Der eigentliche finanzielle Unterschied liegt im Preis, im Zahlungsplan und im Zeitpunkt der Einnahmen – nicht in der Steuerzeile.

Treuhand: die Schutzschicht, die die Chancen verändert

Der Albtraum-Fall beim Neubau vom Plan – Geld fließt in ein Loch, aus dem nie ein Gebäude wird – ist genau das, wofür Treuhandregime erfunden wurden. Dubai ist der Referenzfall. Entwickler, die dort Off-Plan verkaufen, sind gesetzlich verpflichtet, Käuferzahlungen auf ein bei den Behörden registriertes Projekt-Treuhandkonto einzuzahlen, und dürfen Mittel nur abrufen, sobald Bauabschnitte zertifiziert sind. Die Raten finanzieren das eigene Gebäude, nicht andere Vorhaben des Entwicklers. Diese Regel gilt seit Dubais Treuhandkontogesetz von 2007 – und ist ein wesentlicher Grund, warum der Markt der VAE Off-Plan-Verkäufe skalieren konnte, ohne Käufer zu verschrecken.

Andere Märkte liegen auf einem Spektrum dazwischen. Manche verlangen Fertigstellungsgarantien oder Versicherungen für größere Projekte, bei anderen bleibt nur der Vertrag und die Bilanz des Entwicklers als Absicherung. Vor jeder Unterschrift drei Fragen stellen: Schreibt dieses Land Treuhand oder eine Fertigstellungsgarantie vor? Ist genau dieses Projekt darunter registriert? Was passiert mit den Zahlungen, wenn der Bau stoppt? Ein Makler, der nicht alle drei präzise beantworten kann, hat damit eine vierte Frage bereits beantwortet.

Eine Regel, die von Käufern beider Wege übernommen werden sollte: den vollen Preis zahlen für das, was existiert, weniger für das, was noch nicht existiert – und niemals den vollen Preis für ein Versprechen.

Wie man einen Entwickler prüft

Treuhand schützt das Geld, die Prüfung schützt Zeit und Nerven. Vor Reservierung einer Off-Plan-Einheit diese Liste durchgehen.

  1. Fertige Projekte besichtigen, nicht die Verkaufsgalerie. Zwei, drei fertiggestellte Gebäude, idealerweise fünf Jahre oder älter, zeigen, wie die Arbeit des Entwicklers altert.
  2. Die Übergabehistorie prüfen. Wie viele Projekte wurden übergeben, und wie verspätet gegenüber dem angekündigten Termin? Eigentümerforen und Grundbuchdaten sind ehrlicher als Broschüren.
  3. Die Papiere bestätigen: Grundstückseigentum, Baugenehmigungen und, wo das Regime existiert, die Treuhandregistrierung des Projekts. Fragen, wann die Eigentumsurkunde auf den eigenen Namen übergeht – in manchen Märkten schon während des Baus, in anderen erst bei Übergabe.
  4. Die Verzugsklauseln lesen. Seriöse Entwickler akzeptieren Vertragsstrafen bei verspäteter Übergabe. Ausweichende Antworten hier deuten auf ausweichendes Verhalten später hin.
  5. Die Finanzierung verstehen. Ein Entwickler, der vor allem aus Käuferraten baut, in einem Markt ohne Treuhand, entspricht genau dem Risiko, für dessen Übernahme der Startrabatt bezahlt wird. Mit diesem Satz im Kopf entscheiden.

Ein Entscheidungsraster: die Immobilie zum Ziel passend wählen

Mieteinnahmen sollen sofort fließen

Fast immer die Bestandsimmobilie. Eine vermietete Wohnung in einem etablierten Viertel zahlt ab dem ersten Monat, und kein Übergaberisiko steht zwischen dem Käufer und dem Cashflow. Bei den aktuellen Angeboten anfangen und die Rendite anhand realer Mietgesuche durchrechnen, bevor man sich in eine bestimmte Einheit verliebt.

Wertsteigerung ist das Ziel

Hier sprechen die stärkeren Argumente für den Neubau vom Plan – vorausgesetzt, der Schutz greift wirklich. Frühe Phasen, treuhandregulierte Märkte, Entwickler, die die obige Checkliste bestehen, Viertel mit Infrastruktur, die bereits beschlossen und nicht nur angekündigt ist. Dubai und Istanbul haben genau diese Strategie in ihren guten Zyklen belohnt; beide haben aber auch Käufer bestraft, die die Prüfung übersprungen haben. Steht die Türkei auf der Liste, sollte die Entwicklerprüfung das ganze Spiel sein, denn der Schutz variiert dort von Projekt zu Projekt.

Ein Zuhause für sich selbst

Der Zeitplan entscheidet. Umzug innerhalb von sechs Monaten nötig? Bestandsimmobilie, ohne Diskussion. Umzug ohnehin erst in zwei, drei Jahren geplant? Der Neubau vom Plan lässt schrittweise zahlen, während man wartet, und man zieht dann in ein Gebäude nach heutigen Standards. Nur nie einen harten Lebenstermin – Schuljahr, Visumfrist – an ein Übergabedatum knüpfen, das man selbst nicht kontrolliert.

Der gemischte Ansatz

Käufer mit etwas Spielraum im Budget verzichten oft ganz aufs Entweder-oder. Eine Bestandseinheit für sofortige Rendite, eine Off-Plan-Einheit fürs Wachstum; die Miete aus der ersten kann sogar die Raten der zweiten decken. Es ist dieselbe Logik wie Dividendenwerte neben Wachstumswerten zu halten, und sie streut Entwicklerrisiko, Markttiming und Regulierung über zwei getrennte Wetten. HomeNSearch listet beide Arten nebeneinander in jedem Land, das wir abdecken – so wird der Vergleich zu einem Abend beim Durchstöbern statt zum Sprung ins Ungewisse.

Eine dauerhaft richtige Antwort gibt es hier nicht. Es gibt eine richtige Antwort für dieses Budget, diesen Markt und diese Lebensphase. Erst das Ziel klären – der Immobilientyp ergibt sich von selbst.

Häufige Fragen

Ist der Neubau vom Plan immer günstiger als der Bestand?

Beim Verkaufsstart meist ja, weil Entwickler frühe Phasen unter vergleichbarem fertigem Bestand bepreisen, um Reservierungen zu gewinnen. Den gesamten Ausgang sollte man dennoch vergleichen: Eine Off-Plan-Einheit, die drei Jahre lang nichts einbringt, kann am Ende hinter einer fair bepreisten Bestandswohnung zurückbleiben, die vom ersten Tag an vermietet ist.

Was passiert, wenn der Entwickler insolvent geht?

In treuhandregulierten Märkten wie Dubai liegen Käuferzahlungen auf einem überwachten Projektkonto, und Regulierungsbehörden können einen anderen Entwickler mit der Fertigstellung beauftragen oder Rückzahlungen aus diesem Konto organisieren. Ohne Treuhand steht man als gewöhnlicher Gläubiger in der Schlange – eine deutlich schlechtere Position. Den Treuhandstatus eines konkreten Projekts zu bestätigen, ist mehr wert als jede Broschürenaussage.

Kann ich eine Off-Plan-Immobilie vor Fertigstellung verkaufen?

Oft ja, über eine Abtretung oder Vertragsübertragung, und der Weiterverkauf vor Übergabe ist in heißen Märkten eine etablierte Strategie. Zuerst den Vertrag prüfen: Entwickler verlangen häufig einen Mindestanteil des gezahlten Preises, bevor sie eine Übertragung zulassen, berechnen dafür eine Gebühr oder blockieren sie gelegentlich ganz. Ein abkühlender Markt bedeutet zudem wenige Käufer für unfertige Verträge.

Was eignet sich besser für den ersten Kauf im Ausland?

Für die meisten die Bestandsimmobilie. Der Prozess ist kürzer, was man besichtigt, bekommt man auch, und weniger kann still schiefgehen. Der Neubau vom Plan belohnt Käufer, die Entwickler prüfen, Verträge lesen und Verzögerungen aussitzen können – all das fällt beim zweiten Kauf leichter als beim ersten.

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